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"Klimawandel hautnah" - ist endlich da!

Letztes Jahr war ich auf Reisen: Kiribati, Borkum, Hooge… und ein paar andere Inseln. Menschen und die Welt kennenlernen war nicht das einzige Ziel, sondern Recherchen für ein Buch. Dieses Buch:

Worum geht’s? Klimawandel hautnah Cover

Die Symptomen des Klimawandels können wir überall sehen: stärkere Stürme, geschädigte und sterbende Korallenriffe, wärmere Meere, eine sich verändernde Ozeanchemie, mehr Starkregen und weniger leichter Regen, größer werdende Trockengebiete, geringerer Basisdurchsatz von Flüssen, tauender Permafrostboden, schmelzende Gletscher und Polkappen, häufigere und stärkere Hitzewellen, häufigere Wald- und Flurbrände, veränderte Verbreitungsgebiete von Pflanzen und Tiere, veränderte Migrationsmuster von Tieren und längere Vegetationsperioden. Schuld an allen diesen rasant voranschreitenden Veränderungen sind zu hohe Treibhausgaskonzentrationen in der Erdatmosphäre, die zu einer Erwärmung des Systems Erde führen. Das hat Auswirkungen auf uns Menschen. Als erstes um an dramatischsten für diejenigen, die nahe am Meer und nur knapp über dem Meeresniveau leben. Im Pazifik, in der Nordsee und in allen anderen Meeren des Planeten.

In diesem Buch beleuchte ich das Leben der Menschen auf drei Pazifikinseln: Marakei, Tarawa und Kiritimati. Wie lebten die Menschen früher, mit welchen klimatischen und sozialen Veränderungen müssen sie heute fertig werden und was könnte die Zukunft für sie bringen? Die drei Inseln unterscheiden sich stark voneinander, obwohl sie zum gleichen Land, Kiribati, gehören. Denn auf der ersten Insel leben die Bewohnerinnen und Bewohner noch sehr traditionell und unabhängig, während die zweite wegen Überbevölkerung und Landmangel komplett vom Import abhängig ist. Die dritte Insel war traditionell nicht bewohnt und ist eine Zuwanderungsinsel, die mit der Isolation - geografisch und kulturell - zu kämpfen hat. Durch die unterschiedlichen sozialen Strukturen trifft der Klimawandel die Veränderungen der Umwelt die Insel ebenfalls unterschiedlich.

Aber Klimawandel wirkt sich nicht nur auf die Menschen im Pazifik aus, sondern betrifft auch Europa und Deutschland. An den Beispielen Borkum und Hallig Hooge betrachte ich die Lebensweisen und -umstände der Bewohnerinnen und Bewohner und analysiere auch hier, was die Zukunft bringen könnte. Borkum ist stark befestigt und wehr wich gegen das Meer. Die Halligen dagegen stellen dem Meer viel weniger Widerstand entgegen und die Menschen haben sich mit dem Meer arrangiert. Wird das in der Zukunft weiter möglich bleiben? Welche Insel hat die besseren Chancen über die nächste Jahrhudertwende hinaus noch bewohnt zu sein?

Zyklon Winston: Retter der Korallen

Nachdem ich in Kiritimati zwischen toten Korallen getaucht bin und in Marakei (beides in Kiribati) viele tote und gebleichte Korallen erlebt habe, hielt sich mein Enthusiasmus in Fiji tauchen zu gehen in Grenzen. Schließlich hat der El-Niño ja sogar zu Warmwasser-Anomalien vor der australischen Küste im Great Barrier Reef geführt und dort ebenso zur Korallenbleiche geführt wie in den äquatorialen Pazifikstaaten. Und Fiji liegt nun einmal zwischen den zerstörten Regionen von Kiribati und Australien. Warum sollten die Korallen hier also in einem guten Zustand sein? Aber sie waren es! Die Riffe vor Fiji waren phantastisch. Die Ausläufer des Astrolabe-Riffs vor Kadavu sind gesund, keine gebleichten Korallen weit und breit.

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Göttinnen und Klimawandel

Marakei beim LandeanflugEin Kanu, gebaut aus Kokospalmenholz, erreichte die Südseite Marakeis. Da sein Ziel der Nordwesten der Insel war, wendete es sich nach links und fuhr über das Korallenriff die Küste entlang. Den Insassen des Kanus waren die Gewässer aber leider unbekannt und sie übersahen eine Gefahr und das Kanu schlug leck. Bei den Männern im Kanu handelte es sich um den Herrscher einer der anderen Inseln, der seine Schwester besuchen wollte. Den Männern blieb nichts andere über als zu Fuß zum Kainga der Schwester zu gehen. Dabei hatten sie viel Zeit die Umgebung zu betrachten und dem Herrscher gefiel die Küste, wo seine Schwester wohnt, so gut, dass er dem Ort den Namen Rawanuea gab. Königssee. Aber der Ort hatte schon einen Namen, Nauis Meer, Rawanaui. Der Herrscher war weise und beharrte nicht auf seinem Wunsch sondern bestimmt, dass der Ort weiter Rawanui heissen solle, aber das Korallenmeer davor Rawanuea. Und so ist es seither.

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Mit Ohrringen auf Thunfischfang

Auslegerboot des Villages Motel auf KiritimatiWenn Kiritimati überhaupt irgendjemandem bekannt ist, dann Sportfischern – insbesondere Fliegenfischern. Kiritimati ist das größte Atoll der Welt und hat, wie könnte es anders sein, auch eine riesige Salzwasserlagune. Sie ist durchzogen von flachen Gebieten, so genannten Flats. Vier der sechs Hotels auf der Insel, die von Ausländern frequentiert werden, sind mehr oder minder auf diesen speziellen Menschenschlag spezialisiert. Wie spezialisiert man sich auf Fliegenfischer? Indem man sich Boot zulegt, am besten wunderschöne, hölzerne Auslegerboote, von denen aus es sich bequem angeln lässt oder die einen gemütlich zu den Angelplätzen auf den Flats bringen können. Wie so viele andere Sportarten auch, ist diese für all diejenigen, die sie nicht ausüben, ziemlich unverständlich. Warum fliegt man quasi ans Ende der Welt (andere beliebte Destinationen für Fliegenfischer sind die zentralen Regionen Patagonien und Kamtschatka), steht jeden Morgen elendsfrüh auf (oft vor 5:00 Uhr), mummelt sich von Kopf bis Fuß einen, um von der tropischen Sonne und ihrer vom Wasser reflektierten Strahlung keine Verbrennung des 3. Grades zu bekommen und stiefelt dann den ganzen Tag über die Flats auf der Suche nach Riesen-Trevally , Grätenfischen und Drückerfischen?

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Mitten im Nirgendwo

Pazifikküste bei TabwakeaKiritimati (gesprochen Christmas) gehört zu Kiribati (gesprochen Kiribess), einem der größten Ländern der Erde: 4500 km mal 2100 km. Noch nie davon gehört? Das könnte damit zusammenhängen, dass diese gewaltige Fläche fast nur Pazifik ist, mit 33 eher kleinen Inseln darin. Die gesamte Landfläche von Kiribati ist ungefähr so groß wie das Bundesland Hamburg. Und Kiritimati, die Insel auf der ich gerade bin, ist so groß wie die Stadt Köln. Hier leben rund 13.006.000 Einwohner – 6.000 davon menschlich. Der Rest sind Seevögel, ein paar Hunde, Katzen und Ratten. (Die Mücken, Fliegen und Kakerlaken habe ich nicht berücksichtigt, auch nicht die Skorpione, von denen sich gestern einer in mein Badezimmer verirrt hatte und die rund 15 cm langen Tausendfüßler, deren Biss gemein wehtun soll!).

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