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(Dieses Gespräch wurde mir von einer Qualle erzählt, die zufällig gerade in der Nähe rumtrieb).

Plankton: Was hast Du für ein entsetzlich großes Maul?

Manta: Damit ich Dich besser fressen kann!

P: Aber warum willst Du mich denn fressen?

M: Damit ich noch größer werde und ein langes, wunderbares Leben lebe!

P: Aber ich bin doch so winzig – sollte ein so großer und mächtiger Fisch wie Du nicht lieber andere große Fische oder Riesenkraken fressen? Große Dinge, die Deinen Magen wirklich füllen! Wenn Du mich frisst, dann bist Du doch nicht satt sondern bleibst ewig hungrig!

Manta im Lissaboner OzeaneumM: Nein! Eine Menge winziges Plankton die ganze Zeit ist viel besser als ein großer Bissen hin und wieder. Ich muss Euch Winzlingen nur einfach immer folgen.

P: Aber wie viel von uns musst Du denn da fressen?

M: Mehr als 10 % meines Körpergewichts jeden Tag.

P: Und Du verfolgst wirklich meine Geschwister und mich?

M: Hmm, ja. Ich kann lang reisen! Einen Tag bin ich hier, dann 1000 km weit weg. Ich bin immer dort, wo Ihr gerade in Blüte steht! Und dann fresse ich und fresse und fresse… Und wenn Ihr weniger werdet, dann reise ich eben weiter.

P: Reist Du denn durch alle Meere? Überall hin?

M: Nein, nicht wirlich. Ich mag kein kaltes Wasser. Am liebsten mag ich Temperaturen zwischen 20 und 26 °C. Aber wenn es sein muss, dann durchquere ich auch kaltes Wasser. Alles um zu fressen!

P: Das ist nicht fair! Du frisst Millionen von uns – aber wer frisst Dich?

M: Mach Dir darum mal keine Sorgen! Stierhaie und weiße Haie versuchen immer wieder einen Bissen von mir abzubekommen. Auch ein paar andere Haiarten und Orcas! Aber in letzter Zeit ist unser größter Feind der Mensch.

P: Mensch? Was ist das?

M: Das ist ein komisches Tier, die dünne Schnüre ins Wasser wirft, die unsere Flossen verletzten oder abschneiden; sie versenken auch Netze im Wasser, in denen wir uns verfangen. Sie haben schnelle Boote, mit denen sie uns rammen. Und sie verwenden Körperteile von uns, angeblich als Medizin.  Inzwischen mag ich nicht mehr nach Sri Lanka schwimmen, weil sie dort mehr aus uns gemachte Sachen verkaufen als Haiflossen! Menschen jagen uns und bringen uns aus Versehen um.

P: Also machen sie mit Euch das, was Ihr mit uns macht!

M: Irgendwie ja. Aber Du bist klein, lebst sowieso nur kurz und kannst Dich in der kurzen Zeit auch noch ganz oft vermehren. Wir leben lang – falls ich den Menschen und Haien entkomme lebe ich weit mehr als 20 Jahre – und habe in der Zeit nur ein paar Kinder. Jedes Schwangerschaft dauert ca. 1 Jahr. Danach ruhen sich unsere Weibchen erstmal 1-2 Jahre aus, bevor sie wieder schwanger werden.

P: Hmm… Ihr könnt also diejenigen von Euch, die Ihr durch Menschen verliert, nicht ersetzen?

M: Nein. Wir sind eine sterbende Art.

P: Oh, Du Armer! Wie kann ich Euch denn helfen?

M: Ganz einfach! lass Dich fressen!

Manta im Ozeaneum in Lissabon

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Quellen:

L. I. E. Couturier et al, Journal of Fish Biology (2012) 80:1075–1119, Biology, ecology and conservation of the Mobulidae

Froese, R. and D. Pauly. Editors. 2012. FishBase, World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (10/2012).