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Neulich beim Abendessen in größerer Runde kamen die Fragen auf: was ist eigentlich ein See-Elefant? Und ein Seelöwe? Und überhaupt, ist die See-Kuh die Frau vom See-Elefanten? Nein liebe Cousine, das ist sie nicht! Lass mich Dir das mal erklären:

Vor 105 Millionen Jahren, als der südliche Megakontinent Gondwana auseinanderbrach, wurde ein Gruppe von Säugetieren in Afrika isoliert und hat sich dort getrennt von allen andere entwickelt. Wir nennen sie Afrotheria. Eine Besonderheit vieler Afrotheria ist ihre bewegliche Nase. Kommt Dir das bekannt vor? Ja, genau: Elefanten und einige andere. Ist die Seekuh die Frau vom See-Elefant?Einer dieser Afrotheria ging vor über 50 Millionen Jahren ins Wasser. Nach einiger Zeit und vielen Mutationen entstanden daraus die Seekühe. Heute leben vier Seekuharten, die zu zwei verschiedenen Gattungen gehören: die Gabelschwanzseekühe mit nur einer Art, dem Dugong an den Küsten des Westpazifiks und Indischen Ozeans, und die Rundschwanzseekühe mit drei Arten. Diese sind der in der Karibik und Florida lebende Karibik-Manati, dem Amazonas-Manati im Amazonasbecken und dem Afrikanischen Manati an den Küstenländern des Golfs von Guinea. In guter alter Afrotheria-Art sind die Schnauzen aller Seekuharten sehr flexibel und beweglich, was wichtig ist beim Abgrasen der Seegraswiesen und anderer Pflanzen. 

Walross (Foto: NOAA)Kurz bevor die Vorfahren der Seekühe ins Wasser gingen – so schlappe 16 Millionen Jahre früher, also vor ca. 66 Millionen Jahren – entstanden auf dem nördlichen Megakontinent, Laurasia, die Raubtiere. Damals im Paläozän war die Evolution fleißig und nach nur 6 Millionen Jahren waren innerhalb der Raubtiere schon zwei Gruppen unterscheidbar: die Katzenartigen und die Hundeartigen. Die Hundeartigen entwickelten sich dann wieder in zwei verschiedene Richtungen, die Hunde und die Arctoidea. Dieses sind die gemeinsamen Vorfahren von Bären, Marderverwandten und Robben. Es war also ein solcher Arctoidea, der vor ungefähr 27 Millionen Jahren im Bereich der heutigen nordamerikanischen Pazifikküste das Wasser als Lebensraum wiederentdeckte. Aus ihm entwickelten sich Hundsrobben, Ohrenrobben und Walrosse, und zwar vor rund 20 bis 23 Millionen Jahren. Und was haben Hundsrobben, Ohrenrobben und Walrosse nun mit den ganzen Seebären und See-Elefanten zu tun? Sie sind die Familien, zu denen die ganzen Fischfresser unter den nach Landtieren benannten Meeresgetieren gehören.

Dass das Walross in die Familie Walrosse gehört ist nicht weiter erstaunlich. Innerhalb dieser Familie gibt es nur die eine Gattung der Walrosse mit der einen Art, dem Walross. Dieser Bewohner der Arktis hat also keine nahen Verwandten.

Seehund (Foto: Marcel Burkhard)Vom Name her kann man vielleicht auch noch darauf kommen, dass der Seehund zu den Hundsrobben gehört. Dieses an allen Pazifik- und Atlantikküsten der Nordhalbkugel lebende Raubtier ist eine der beiden Arten in der Gattung Echten Hundsrobben. Obwohl dem Namen nach wenig nachvollziehbar gehört auch der See-Elefant zu den Hundsrobben. Er ist die größte Robbe, die es gibt (und wahrscheinlich auch jemals gab) und verdankt seinen Taufpaten lediglich seiner gewaltigen Körpermasse, nicht jedoch seiner Lebensweise oder seinen Fressgewohnheiten. Von den See-Elefanten gibt es übrigens zwei Arten: den Nördlichen und den Südlichen See-Elefant. Der Nördliche lebt an der amerikanischen Pazifikküste von Alaska bis Baja California, wobei seine Kolonien nur im Süden dieses Bereichs liegen. Der Südliche See-Elefant lebt dagegen wirklich im Süden, nämlich im gesamten Bereich der Antarktis.

Walross, See-Elefant, Seekuh und Seehund sind jetzt versorgt – aber was ist mit Seebär und Seelöwe? Die gehören zu den Ohrenrobben, die übrigens so heißen, weil die Tiere im Gegensatz zu den Hundsrobben kleine, sichtbare äußere Ohrmuscheln haben. Obwohl der Begriff des Seebärs oft nicht mit einem Tier sondern einem alten Seefahrer verbunden wird, gibt es an den Tieren keinen Mangel – jedenfalls was die Zahl der Arten angeht, weniger die Anzahl der Tiere pro Art. Die Arten teilen sich in zwei Gattungen ein: den Südlichen und den Nördlichen Seebären. Zur Gattung der Südlichen Seebären gehören der Südamerikanische, der Neuseeländische, der Antarktische, der Juan-Fernandez-, der Südafrikanische, der Guadalupe-, der Subantarktische und der Galapagos-Seebär. Die zweite Gattung ist das mit einer Art, die dann auch Nördlicher Seebär heißt, wesentlich bescheidener.

Junger Galapagos-Seelöwe Noch mehr Durcheinander gibt es bei den Seelöwen. Denn das ist auch bei weitem nicht nur eine Art, sondern fünf Arten in 4 Gattungen. Laut Adam Riese und Eva Zahl hat dann ein Gattung zwei Arten, während alle anderen nur eine einzelne beinhalten. Die doppelt vertretene Gattung ist Zalophus, zu denen der Kalifornische und der Galapagos-Seelöwe gehören. Bis vor kurzem wurden sie als eine Art gehandelt – aber die Unterschiede zwischen den an der kalifornischen und mexikanischen Festlandküste lebenden Tieren und denen im Galapagos-Archipel sind so groß, dass sie heute meist als zwei getrennte Arten angesehen werden.

Die anderen drei Gattung haben jeweils nur eine Art: Eumetopias den Stellerschen Seelöwen, Phocarctos den Neuseeländischen Seelöwen und Neophoca den Australischen Seelöwen. Der Stellersche Seelöwe ist dem Nordpazifik zuhause, der Neuseeländische aufs subantarktischen Inseln und der Australische an der West- und Südküste Australiens.

(Und der Seehase ist eine riesige Nacktschnecke, das Meerschweinchen das Lieblingsgericht vieler Peruaner und der Meerrettich tränt in den Augen. Verwandt sind sie alle nicht.)