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Wer schon einmal in einem Korallenriff tauchen oder schnorcheln war kennt die vielen bunten Fische. Vielleicht sind auch ein paar der gut getarnten aufgefallen? Ein Buckliger Drachenkopf? Ein kleiner Goby oder ein Eidechsenfisch? Für andere Fische sind die Guten wohl gar nicht so gut getarnt, denn sie fluoreszieren!

Biofluoreszenz (die Schwester der gut bekannten Biolumineszenz, also z.B. das Leuchten von Quallen und Algen) ist von Quallen und anderen Nesseltieren bekannt, auch von manchen Korallen und ein paar Schalentieren wurde jetzt in etlichen Fischarten gefunden. Die Wissenschaftler vom Amerikanischen Naturgeschichtlichen Museum (American Museum of Natural History) haben in Ihrer Veröffentlichung vom 8. Januar in PLOS ONE Biofluoreszenz in mehr als 180 Fischarten nachgewiesen. Jamaika-Stechrochen (Urobatis jamaicensis) aus John S. Sparks et al 2014Ein Feuerwerk im Korallenriff, dass wir normalerweise nicht sehen, weil wir spezielle Filter brauchen um Fluoreszenz wahrnehmen zu können. Viele Fischarten haben diese Filter in ihrer Hornhaut oder Linse eingebaut. Sie können also die Muster und Farben sehen, die wohl nicht nur Dekoration sind, sondern Kommunikation, Anzeigen zu welcher Art man gehört und eventuell auch Balz (übrignes nützen auch Papageien Biofluoreszenz bei der Parterwerbung! Und hier meine ich die mit Federn und nicht die mit Flossen.).

Biofluoreszierende Fische aus Sparks et al 2014Aber warum das Ganze? Warum nicht einfach gute alte Farben im (auch für uns) sichtbaren Bereich verwenden? Weil das mit dem Farben unter Wasser so eine Sache ist! Das Wasser filtert Licht, rot und gelb sind unter Wasser schon in wenigen Metern Tiefe nicht mehr erkennbar. Blau- und Grüntöne herrschen vor. Was nützt also die schönste rote Körperfarbe, wenn ich ein Spotlight bräuchte um sie zu zeigen? Biofluoreszenz dagegen arbeitet auf die Weise, dass das blaue, energiereiche Licht aufgenommen und in Form energieärmeren grünen, gelben oder rotem Licht wieder abgegeben wird.

Die im flacheren Wasser lebenden Fische können also einfach das gefilterte Sonnelicht verwenden, um zu strahlen. Aber auch einige Tiefseearten (nicht nur Fische) haben biofluoreszente Proteine in ihrer Haut. Wozu? Denn ohne Licht, dass die Proteine anregt, kann auch eine Fluoreszenz produziert werden. Manche Arten sind da ganz geschickt: sie leuchten mittels biolumiszenter Systeme selber und leuchten damit ihre biofluoreszenten Systeme an. Voilà: aus blauer Lumineszenz entsteht grüne oder rote Fluoreszenz.

Aber die meisten (bisher gefundenen) fluorszierenden Arten leben im hellen Bereich, vor allem in Korallenriffen. Vielleicht wäre es an der Zeit für Taucherbrillen mit Fluoreszenzfiltern?

 

Bilder:

A, Schwellhai (Cephaloscyllium ventriosum); B, Rochen (Urobatis jamaicensis); C, Seezunge (Soleichthys heterorhinos); D, Plattkopf (Cociella hutchinsi); E, Eidechsenfisch (Synodus dermatogenys); F, Anglerfisch (Antennarius maculatus); G, Drachenkopf (Scorpaenopsis diabolus); H, Falsche Muräne (Kaupichthys brachychirus); I, Falsche Muräne (Kaupichthys nuchalis); J, Seenadel (Corythoichthys haematopterus); K, Sterngucker (Gillellus uranidea); L, Meeresgrundel (Eviota sp.); M, Meeresgrundel (Eviota atriventris); N, Doktorfisch (Acanthurus coeruleus, Larve); O, Scheinschnapper (Scolopsis bilineata).

Quelle:

John S. Sparks et al 2014 PLOS ONE: The Covert World of Fish Biofluorescence: A Phylogenetically Widespread and Phenotypically Variable Phenomenon;

doi:10.1371/journal.pone.0083259.g001