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Menschen mit defekten Mx-Genen (Myxovirus-Gene) haben keine Chance gegen Viren wie Masern, HIV oder Grippe. Ebenso wenig andere Säugetiere, von Kühen bis zu Bartenwalen. Von den 60 untersuchten Säugetierarten haben alle außer den Zahnwalen funktionsfähige, protein-produzierende Mx-Gene, mit denen das Immunsystem sich gegen Viren wehrt. Wieso haben Zahnwale, zu denen unter anderem Pottwale, Schweinswale und Delfine gehören dann keine funktionsfähigen Mx-Gene? Und wie konnten sie über Millionen Jahre überleben? Das sind die Fragen, die als nächste auf die Wissenschaftler zukommen. 

Orca (Quelle: Kim / TheGirlsNY unter CC BY-SA 4.0)Die Gruppe der Standford-Uni stellt eine spannende Hypothese auf, die die erste Frage beantworten könne: Vor rund 33-37 Millionen Jahren, als sich die Vorgänger der heutigen Zahn- und Bartenwale gerade evolutiv getrennt hatten, entwickelt sich ein Virus, das die Mx-Gene auszunutzen versucht. Daher stellt der Besitz funktionstüchtiger Gene plötzlich evolutiv einen Nachteil dar – kurzfristig überleben nur die Individuen, bei denen die Gene mutiert sind und so vom Virus nicht genutzt werden können. Alle Zahnwal-Ahnen mit intakten Mx-Genen fallen dem Virus zum Opfer, die mit den mutierten Mx-Genen überleben. Und somit sind alle Nachkommen und mit ihnen die heutigen Zahnwale ohne die Gene. Ob sich das beweisen lässt?

Die zweite Frage – wie die Tiere überleben konnten – bedarf einer sorgfältigen Untersuchung des Immunsystems der Zahnwale. Denn das muss andere Mechanismen als die auf den Mx-Genen beruhenden entwickelt haben, ums ich gegen Viren zu schützen.

Ob diese Unterschiede im Immunsystem mit den in letzten Jahren immer wieder zu beobachtenden Gruppensterben zu tun hat, ist zu diesem Zeitpunkt völlig unklar.

 

Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America