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Seit Jahren lebt ein weißer Schweinswal (Phocoena phocoena) in der Ostsee, der sich aber nicht oft blicken lässt. Nur oft genug, dass die Geschichten um ihn nicht versiegen. Jetzt ist es wieder so weit: seit Anfang Juni ist der zu den Zahnwalen gehörende Schweinswal mehrfach gesehen worden, zuerst im Großen Belt zwischen den dänischen Inseln Fünen und Seeland. Diese Gegend ist Heimat der größeren der beiden Ostsee Schweinswal-Populationen.

Weißer Schweinwal in der Ostsee (Quelle: Klaus Boller GSM e.V)Und zu dieser „nur“ als gefährdet geltenden Belt-Population gehört der Wal. Diese Population ist genetisch identisch mit den den Nordsee-Schweinswalen und anderen im Nordatlantik lebenden Tiere. Die zweite in der Ostsee lebende Population ist genetisch und vom Aussehen her anders und leider auch vom Aussterben bedroht. Sie besteht aus ca. 450 Tieren, von denen nur rund 250 geschlechtsreif sind.

Es ist bisher auch nicht bestätigt, dass es sich bei dem diesen Monat gesichteten Tier um das gleiche handelt, das schon in vergangenen Jahren in der Ostsee gesichtet wurde. Aber die räumliche Nähe der Sichtungen zueinander legt dieses Nahe. Ein Fotoabgleich notwendig, um die Identität des Wals zu bestätigen.

Wenn es der gleich ist, bedeutet es, dass das Tier durch sein auffälliges Aussehen nicht sonderlich eingeschränkt ist: sowohl Jagen als auch Feindvermeidung sind ihm dann offensichtlichen möglich, trotz seiner hellen Haut. Die hat er übrigens wahrscheinlich, weil ihm die Hautfarbstoff-bildenden Zellen (Melanocyten) fehlen und nicht nur der Farbstoff in den Zellen. Das wird als Leuzismus bezeichnet. Im Gegensatz zu Tieren mit Albinismus, bei dem nur der Farbstoff fehlt, die Zellen aber vorhanden sind, haben Tiere mit Leuzismus in den Augen mindestens einige farbstoffbildende Zellen, weshalb ihre Augen dunkler.

http://www.nzz.ch/wissenschaft/biologie/seltener-weisser-schweinswal-gesichtet-1.18564150