MeerWissen für, über und aus aller Welt!

Hitzewellen hat es immer gegeben. Ebenso wie Dürren und Überflutungen. Sie gehören in vielen Regionen der Welt zu den natürlichen Wetterphänomenen. Wenn sie allerdings immer häufiger auftreten und wenn sie immer intensiver werden, dann ist das ein Hinweis auf Veränderungen im Klima. Also auf einen Klimawandel.

Gerade haben wir in Deutschland – ebenso wie in anderen Teilen Europas – eine Hitzewelle. Sie wurde ausgelöst durch heiße Saharaluft die am 27. Juni (Siebenschläfer! Wer also an die Bauernregel glaubt…) die iberische Halbinsel erreichte und sich von dort nach Osten ausbreitete. In Spanien, das inzwischen ein kurze Abkühlung hatten, hat am 3.7. schon wieder die nächste Hitzeperiode angefangen.

Temperaturkarte 01 07 2015Für dieses Wochenende werden in Deutschland Temperatur in den hohen 30ern erwartet. Es könnte sogar sein, dass der bisherige deutsche Temperatur-Spitzenwert von 40.2 °C überschritten wird. Ab Sonntag den 5.7. sollen die Temperaturen ein wenig zurückgehen. Das heißt aber nicht, dass die Hitzewelle vorbei ist. Noch ist es nicht klar wie lange die Welle wohl anhalten wird und wie intensiv sie ausfällt.

Aber selbst, wenn sie weder sehr lang anhält noch die Temperatur-Rekorde bricht, so hat sie doch einen Rekord bereits geschafft: seit Aufzeichnung der Wetterwerte hat es nie so früh im Jahr eine Hitzewelle in Europa gegeben. Auch wenn vereinzelt schon so hohe Temperaturen gemessen wurde, wie beispielsweise am 2. Juli 952 in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz (siehe Tabelle unten).

Ich habe mehrfach die Frage gehört, ob die Hitzewelle denn jetzt mit den Klimawandel zu tun hat. Leider ist die Frage nicht so einfach zu beantworten. Denn Hitzewellen hat es immer gegeben. Allerdings ist deutlich zu sehen, dass die Zahl der Hitzewellen (definiert eine mindestens 14-tägige Periode mit einer Tagesdurchschnittstemperatur von mindestens 30 °C). Die Grafik des Deutschen Wetterdienstes zeigt Hitzeperioden zwischen 1950 und 2014. Innerhalb dieses Zeitraums hat es in Hamburg erstmals in 1994 mehr als 14 Tage am Stück Temperaturen über 30 °C gegeben, in München 1983. Generell hat die Häufigkeit dieser Hitzewellen dramatisch zugenommen, was ein eindeutiger Hinweis auf Änderungen des Klimas ist.

04Juli2015Zur Hitzewelle kommt hinzu, dass in den mittleren Gegenden Deutschlands in den vergangenen Monaten nur rund 30 % des erwarteten Niederschlags gefallen sind. Regional sogar noch weniger. Dadurch leidet die Landwirtschaft und sowohl Kartoffel- als auch Getreidekulturen sind gefährdet. Zudem besteht eine erhöhte Waldbrandgefahr. In Sachsen wurde diese Wochenende die höchste Waldbrandgefahrenstufe (5) ausgerufen.

Verringerte Regenfällen und resultierende mittlere bis extreme Dürresituationen wie derzeit in Deutschland wirken sich aber nicht nur auf Land- und Waldwirtschaft aus, sondern auch auf Logistik. Denn Flüssen – auf denen Binnenschifffahrt stattfindet – sind ebenfalls betroffen. Der Pegelstand der Elbe in Dresden liegt derzeit 2/3 unter dem mittleren Stand (69 cm statt 2 m). Außer der Schifffahrt, die stark eingeschränkt ist, sind aber auch die Bewohner der Elbe betroffen. Niedrigere Wasserstände bedeuten Stress für beispielsweise Fische. Je niedriger der Wasserstand, umso stärker die Erwärmung bei der langen Sonneneinstrahlung und den hohen Lufttemperaturen. Und warmes Wasser stresst die Tiere weiter.

Doch auch uns Menschen stresst die Hitze – nicht nur mental sondern auch körperlich. Zumindest in unseren Breiten, wo wir nicht daran gewöhnt sind und nicht damit umgehen können. Die Hitzewelle 2003, die ganz Europa betraf, hat Tausende von Menschenleben gekostet. Daraus haben unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Lehre gezogen und hat zusammen mit der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ein Frühwarn- und Hilfssystem erarbeitet, um Ländern zu helfen, sich besser auf Hitzewellen vorzubereiten und damit das gesundheitliche Risiko für die Bevölkerung zu reduzieren. In Deutschland gibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) Informationen heraus: www.dwd.de/hitzewarnung. Zudem haben DWD und Umweltbundesamt einen Ratgeber zu Klimawandel und Gesundheit erstellt: http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3519.pdf

Parallel zu unserer Europäischen Hitzewelle und Dürre gibt es Hitzewellen vor allem im westlichen Nordamerika mit Waldbränden in den USA und Kanada. Auch in Südchina sind die Temperaturen extrem hoch, dort aber nicht von einer Dürre begleitet sondern von sintflutartigen Regenfällen und Überschwemmungen.

Jedes Ereignis für sich genommen ist nicht ungewöhnlich. Aber zusammen genommen und in Verbindung mit den immer häufiger auftretenden extremen Wettersituationen stimmen unsere aktuellen Erfahrungen leider sehr gut mit vielen Modellen zum menschgemachten Klimawandel überein.

Quelle: Deutscher Wetterdienst

http://www.dwd.de/bvbw/generator/DWDWWW/Content/Oeffentlichkeit/KU/KU2/KU23/besondere__ereignisse__deutschland/temperatur/20150702__KlimatologischeBewertungHitzewelle,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/20150702_KlimatologischeBewertungHitzewelle.pdf

WMO

https://www.wmo.int/media/content/widespread-heatwave-affects-europe-wildfires-north-america