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Eigentlich ist es gar kein neues Drama. Dass Korallen unter Stress ihre symbiotischen Algen abstoßen und dadurch ihre Farbe verlieren ist altbekanntes Drama. Nur normalerweise sind diese Ereignisse lokal begrenzt. Einzelne, gestresste Korallen bleichen aus, oder ein Riff. Aber das derzeitige Drama ist weltweit: Pazifik, Indischer Ozean und Atlantik sind betroffen. Die US-Amerikanische National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) überwacht zusammen mit anderen Organisationen Korallenriffe und ihren Zustand per Sonden und per Satellite. Und sie haben eine Anfang Oktober verkündet, dass wir gerade Zeugen werden von der dritten weltweiten Korallenbleiche.

Ausgebleichte Korallen (Bild: NOAA FGBNMS)Warum ist das ein Drama? Weil Korallen die Algen in ihrem Inneren nicht nur haben, um hübsch farbig zu sein, sondern um Nährstoffe zu bekommen. Algen sind Pflanzen und produzieren aus Kohlendioxid und Wasser Zucker, wenn sie Sonnenlicht als Energiequelle haben. Diese Zucker geben sie teilweise an die Korallen ab, die damit eine zusätzliche Nahrungsquelle haben. Zusätzlich, da Korallen Tiere sind, die sich Nahrung in Form von Plankton aus dem Wasser holen. Aber das reicht eben nicht. Wenn die Korallen nun durch zu lange Perioden mit zu warmem Wasser gestresst sind, stoßen sie die Algen aus. Sie können sich dann immer noch selber ernähren, aber nicht ausreichend – sie sind auf Diät. Und wenn man auf Diät ist, wird man anfällig für andere schädliche Einwirkungen, ist nicht so widerstandsfähig und wird leichter krank.

Korallen ohne Algen sind anfällig und können sich nicht mehr wehren, wachsen langsamer und wenn sie zu lange algenlos sind, sterben sie. Wenn die Korallen sterben, werden die Riffe marode, bröckeln und geben den Küsten keinen Schutz mehr. Ganz davon abgesehen, dass nur intakte Riffe Schutz- und Lebensraum für viele andere Arten sind. Tote Riffe verarmen in ihrer Artenzahl und gleichen Trümmerfeldern, auf denen nur noch ein paar wenige Tiere und Pflanzen leben können. Korallenbleiche Vorhersage Okt 2015 - Jan 2016 (Bild: NOAA)Ausgelöst wurde die jetzige Korallenbleiche durch klimawandelbedingten Anstieg von Wassertemperaturen, einen warmen „Klecks“ im Pazifik und einen sich noch immer im Aufbau befindlichen El-Niño. Sie begann bereits im Sommer 2014 im Nordpazifik, dehnte sich dann dieses Jahr in den Südpazifik und Indischen Ozean aus. Inzwischen ist auch der Atlantik betroffen und die Karibik akut bedroht.

Dieses ist das dritte beobachtete, weltweite solche Ereignis. Die ersten beiden globalen Bleichen fanden 1998 und 2010 statt –1998 starben 16% der Korallen weltweit, ausgelöst durch den El-Niño desselben Jahres. Auch 2010 löste ein El-Niño die Korallenbleiche aus. In beiden Fällen handelte es sich um einjährige Ereignisse, im Gegensatz zu dem jetzigen, das jetzt im 2. Jahr ist und wohl noch weit in 2016 hineinreichen wird. Ebenso wie der momentane El-Niño mit seinen warmen Wassermassen, dessen Ausmaß wir bisher noch nicht abschätzen können.

Korallenbleiche Vorhersage Feb-Mai 2016 (Bild: NOAA)Verschärft wir die Situation durch virale und bakterielle Korallenkrankheiten, die sich zurzeit mindestens in den Riffen vor Florida ausbreiten und denen die ausgebleichten Korallen nichts entgegensetzen können. Die schlimmste ist die „Weiße Pest“ – eine Krankheit, die weiße, tote Flecken auf den Korallen hinterlässt. In der Karibik hat vor allem die „Weißband-Krankheit“ bereits ohne Korallenbleiche zum Sterben vieler Korallen geführt. Wenn jetzt noch ein Bleich dazu kommt, könnten ausgedehnte Bereich der karibischen Riffe sterben.

Das schlimme an der Situation ist, dass es absolut nichts gibt, was wir tun können, um den jetzt betroffenen Riffen zu helfen. Kurzfristig können wir nur beobachten und dokumentieren. Mittelfristig ebenso. Nur langfristig können wir versuchen den Klimawandel einzudämmen und hoffen, dass bis dahin nicht alle Riffe in Trümmern liegen.

 

Quellen:

NOAA Coral Reef Watch

The Washington Post

XL Catlin Seaview Survey