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ForgiaVecchia01Stromboli – ein kleiner, grüner Kegel im Mittelmeer. Eine Insel, die vom Tourismus lebt. Und der Tourismus will nicht nur den Vulkan, sondern auch wunderschönen Strände aus Lavastrand. Denn was wäre ein Sommerurlaub ohne Sandburgen und Muscheln Suchen? Wobei letztes hier eh nur etwas für die Geduldigen unter uns ist – es sind verdammt wenig Muscheln am Strand!

 

Erdrutsch01Landwärts werden die Strände von den steilen Hängen des Vulkans begrenzt. In den unteren Bereichen sind sie üppig bewachsen. Die Pflanzen stabilisieren die Hänge: Das Laub verhindert, dass die Tropfen bei starkem Regen die Erde aufwühlen, die Wurzeln halten die Erde, auch wenn sie durchnässt ist, am Ort. Zumindest für eine Weile. Aber wenn der Regen zu lange dauert, weichen die Hänge so stark durch, dass auch die Pflanzen sie nicht mehr halten können. Und ab geht’s in die Tiefe. Auf die Strände. Durch den Klimawandel ändert sich die Regenverteilung, die Winterregen werden heftiger und halten länger am Stück an. Das heißt nicht unbedingt, dass die Insel insgesamt mehr Regen bekommt, sondern nur, dass der Regen konzentrierter prasselt als früher. Vor 2 Wochen beispielsweise hat es ungewöhnlich lang geregnet, vier oder fünf Tage hintereinander. DForgiaVecchia Erosion01as Ergebnis waren Erdrutsche und die Empfehlung der Einheimischen, bei Spaziergängen an einigender Strände besonders vorsichtig zu sein und immer den Hang im Auge zu behalten.

TreibgutDer Regen kam aber nicht allein, sondern wurde von einem Sturm gebracht. Nämlich von dem von Meteorologen viel diskutierten Atlantik-Hurrikan Alex, der die diesjährige Hurrikane-Saison ungewöhnlich früh eröffnet hat. Gefolgt wurde Alex in Süditalien vom Tramontana, einem kalten Nordwind. Über dem Atlantik war Alex verheerend, aber hier im Mittelmeer haben wir nur die Ausläufer gespürt, die im Vergleich zu anderen Winterstürmen nicht mal wahnsinnig stark waren, sondern eher in die Kategorie „normaler Sturm“ fielen. Aber er hat der Küste zugesetzt. Am Forgia-Vecchia-Strand – angeblich dem schönsten der ganzen Insel- war den Treibgut-Spuren nach in einigen Bereichen der gesamte Strand unter Wasser. Eine gute Nachricht für die strandhungrigen Sommergäste: Ginsterdie Wellen haben einen Teil des Vulkanhangs erodiert und weggetragen, so dass der Strand jetzt etwas breiter sein könnte als vorher. Das Wasser hat teile der fruchtbaren Erde des Vulkanhangs mitgenommen, die Pflanzen konnten den Wellen nicht ausreichend Widerstand leisten. Wie lange wohl die Ginstersträucher noch leben werden, die an dieser windgeschützten Stelle auch im Januar blühen und duften?

Piscita SturmDas südliche Ende des Orts Stromboli bilden einige ehemalige Fischerhäuser. Der Bewohner des letzten Hauses hat mir von einem Sturm letzten Winter erzählt, der das Treibgut bis wenige Meter vor die Veranda gebracht hat. Die Straße vor den Häusern, die vom Hafen aus nach Süden geht, hatte vor 6 Jahren noch eine breite Schulter zum Strand hin. Davon ist nichts mehr übrig.

JPiscita Tramontanaedes Jahr frisst sich das Meer tiefer ins Landesinnere vor. Die Häuser am „guten Ende“ des Ortes stehen nicht aus Sand, sondern auf einer Klippe einige Meter über der Wasseroberfläche. Zumindest bei ruhigem Wetter. Bei Stürmen oder auch nur stetigem Tramontana kommt das Wasser den Häusern gefährlich nahe. Manchmal zu nah. Küstenbefestigungen aus Beton können die Häuser vielleicht noch ein paar Jahre retten. Piscita ruhigAber mittelfristig sind Betonklötze keine Lösung. Die Küstenbebauung wird vom Meer gefressen werden, genauso wie die Hänge hinter den Stränden. Aber vielleicht ist der Vulkan auch schneller als das Meer und verursacht einen Tsunami wie 2003, der die untere Hausreihe in Stromboli ein Teil der Vergangenheit werden lässt – ganz ohne Meeresspiegelanstieg und Klimawandel.