MeerWissen für, über und aus aller Welt!

Pazifikküste bei TabwakeaKiritimati (gesprochen Christmas) gehört zu Kiribati (gesprochen Kiribess), einem der größten Ländern der Erde: 4500 km mal 2100 km. Noch nie davon gehört? Das könnte damit zusammenhängen, dass diese gewaltige Fläche fast nur Pazifik ist, mit 33 eher kleinen Inseln darin. Die gesamte Landfläche von Kiribati ist ungefähr so groß wie das Bundesland Hamburg. Und Kiritimati, die Insel auf der ich gerade bin, ist so groß wie die Stadt Köln. Hier leben rund 13.006.000 Einwohner – 6.000 davon menschlich. Der Rest sind Seevögel, ein paar Hunde, Katzen und Ratten. (Die Mücken, Fliegen und Kakerlaken habe ich nicht berücksichtigt, auch nicht die Skorpione, von denen sich gestern einer in mein Badezimmer verirrt hatte und die rund 15 cm langen Tausendfüßler, deren Biss gemein wehtun soll!).

 

Kiritimati liegt rund 2.000 km südlich von Hawaii, knapp nördlich des Äquators. Es ist das größte Atoll der Erde mit der größten Lagune. Glaubt mir, die Lagune ist riesig! Sie ist durchzogen von flachen Gebieten, Inseln und natürlichen Dämmen, was gut so ist, nicht nur weil sie dadurch einigermaßen überschaubar wirkt, sondern auch weil auf diese Weise viel geschützter Nistplatz für Seevögel entsteht. Für viele Seevogelarten ist Kiritimati das wichtigste Brutgebiet im zentralen Pazifik. Die Lagune öffnet sich nach Süden hin zum Pazifik, in der Öffnung liegt Cook Island, einer der Vogelinseln. Am westlichen Zipfel der Öffnung liegt London, daneben Tabwakea (wo ich wohne). Nahe der östlichen Spitze lag Paris, aber das ist verlassen und Fischerboot für Salzwasserfliegenfischer in der Laguneuntergegangen, wie Atlantis. Vielleicht nicht ganz so majestätisch und deutlich weniger sagenumwittert. Und noch etwas weiter liegt Poland. An der Straße von Poland nach London, die rund um die gesamte Insel führt, kommt man an einem alten Flugfeld vorbei, von dem die amerikanischen Flieger für ihre Atombombentests gestartet sind. Etwas weiter liegt der neue Flughafen, an dem jeden Mittwochmorgen der Fiji Airways Flieger von Nadi (Fiji) kommt und nach Honolulu weiterfliegt. Nachmittags kommt er dann zurück, meistens mit Touristen gefüllt, die zum Salzwasserfliegenfischen hierher kommen. Beim Flughafen gibt es auch eine kleine Ortschaft: Banana. Ich wohne also auf der Insel, auf der Banana zwischen London und Poland liegt.

Der Festlandstreifen zwischen Pazifik und Lagune ist teils nur wenige Hundert Meter breit, teils mehrere Kilometer. Er wird von (importierten) Kokospalmen, einer Art Sonnenwende-Busch oder –Baum, Pandanus, einer (wie ich vermute) Scaevola-Art, Brotfruchtbäumen und wenigen anderen Pflanzenarten dominiert. Zwischendurch gibt es ein paar Papaya- und Feigenbäume – aber die sind rar. Erstaunlicherweise gibt es nur wenige Hühner, weshalb Eier ebenso wie fast alle anderen Lebensmittel einmal pro Monat per Cargo-Flugzeug gebracht werden. Kein Wunder, dass ein einzelnes Ei rund 1 Euro kostet. Nur Hummer und Fisch gibt es lokalen und günstig – wenn sie nicht gerade von den massiven koreanischen und japanischen Fischereischiffen mit ihren Trawler-Flotten weggefangen werden. Derzeit sind zum Glück nur zwei große Fischereischiffe vor der Inseln – zu anderen Zeiten sind es auch mal über Seevögel über Cook Island, Kiritimatizwanzig. Wenn die Seeleute dieser Schiffe am Wochenende an Land kommen, kommt es hier zu Szenen wie aus alten Schundromanen. Seeleute werfen mit Geld um sich, kaufen den jungen, behütet aufgewachsenen Mädchen Drinks und reagieren aggressiv, wenn ihre wenig subtilen sexuellen Avancen zurückgewiesen werden. Böse Wort und Fäuste fliegen. Wochenenden in London sind zu vermeiden! Zumindest wenn mehrere Schiffe vor der Insel liegen.

Ansonsten ist das Leben hier gemütlich und die Menschen sind extrem freundlich. Wenn ich die Straße entlang gehe oder seit heute entlang radle, werde ich von allen Seiten gegrüßt (und grüße selbstverständlich mit einem freundlichen „Mauri“ zurück!). Schulmädchen kichern, Schuljungs versuchen Eindruck zu schinden. Nach den ersten Tagen im The Villages Hotel bin ich jetzt ins Lagoon View Motel umgezogen. Statt einer Spanplattenhütte mit heißem Wasser habe ich jetzt eine Kokushütte mit kalter Dusche. Nicht, dass das Wasser bei permanenten 30-32 °C und nur wenigen Grad Abkühlung nachts jemals wirklich kalt wäre. Im Lagoon View wird derzeit meine zukünftige Bleibe repariert. In einigen Tagen kann ich umziehen, in meine hölzerne Stelzenhütte mit Kühlschrank und Internet-Anschluss. Die jetzige Hütte besteht übrigens komplett aus Kokosholz, Kokosrohr und Kokosblättern. Wie passend, wenn ich davor sitzend Kokosmilch trinke und Kokosnuss esse!

Meine (vorläufige) Unterkunft samt FahrradInternet auf der Insel erinnert mich an die Mitte der 90er Jahre in Deutschland: in einigen Privathäusern vorhanden aber elend langsam! Hier läuft der gesamte Datenverkehr über eine einzige Satellitenverbindung. Der Download einer Mail mit 2 MB Anhang dauert leicht mal 40 Minuten – wenn es überhaupt klappt. Da das erste Hotel, in dem ich war, kein Internet für die Gäste hat, wollte ich mir einen Surf-Stick für meinen Rechner kaufen. Ja, sowas gibt’s! Aber leider nicht im Moment- ihnen sind alle SIM-Karten ausgegangen und die nächste Lieferung kommt in zwei Wochen. Oder so. Aber das wird sich vielleicht auch ändern: vor kurzem hat Vodafone die lokale Telekommunikationsfirma übernommen, die ganz Kiribati mit dem Rest der Welt verbindet. Mal sehen, ob die Satellitengeschwindigkeit nicht vielleicht irgendwann verdoppelt wird? Ich halte Euch auf dem Laufenden!

Tia boo!

(gesprochen: Saabu -  Auf Wiedersehen!)